RSH - Wie alles begann...
  05. RSH Oldie Nacht 1992
 
Oldie Nacht 1992

(vom Samstag 30. Mai 1992/ 19 Uhr aus dem Kalkberg in Bad Segeberg)

Moderation: Helmut Radermacher


(Infos & Anmerkungen von Hel Rader)

"Diesmal war es fast ein Wagnis, aber auch nur fast. Die Hörer liebten diese Veranstaltung, da konnte eigentlich nichts schief gehen. Wir setzten dieses Mal nicht auf Bewährtes, sondern präsentierten ausschließlich Künstler, die wir noch nie hatten (Ausnahme Mungo Jerry, die schon 1988 dabei waren). Und es klappte, wie immer. Ich moderierte alleine, was mir immer am liebsten war. Die Doppelmoderation mag zwar immer ganz gut gewirkt haben, funktioniert aber nur perfekt, wenn alle abgesprochenen Sätze auch zum richtigen Zeitpunkt kommen.

In diesem Jahr hatten wir auch erstmals Gäste aus USA dabei. Teuer, aber so gut wie immer ein Traum."



Teilnehmende Künstler 1992:


(Jeff) Christie machte den Opener, da er mit Playback (Halbplayback) kam. Die beiden großen Hits waren bekannt, „Yellow River“ (Platz 2) und „San Bernadino“ (Platz 5), beide perfekte Ohrwürmer, und beide hatte Jeff sogar selber 1970 geschrieben. Jeff kam alleine mit Keyboard, es klang leider ein wenig anders, als man die Songs von der Platte oder aus dem Radio im Ohr hatte. Aber das Publikum sang dennoch mit, war schon jetzt in bester Stimmung.

Love Affair
- einen großen Hit hatten sie, „Everlasting Love“ (1968 Platz 12, im Original 1967 von Robert Knight), aber sehr angenehm zu hören, dazu kam noch „Rainbow Valley“ mit Platz 37 eben ein kleiner Erfolg, aber noch okay. Steve Ellis war der Sänger. Mit eben nur zwei Hits im Gepäck waren sie als Zweite in der Reihenfolge genau richtig.

Racey
- auch diese Gruppe aus England hatte Gute-Laune-Musik dabei; vier große Hits konnten sie in Deutschland erreichen, wobei „Some Girls“ und „Boy Oh Boy“ 1979 mit Platz 2 und 3 die größten waren. Nicky Chinn und Mike Chapman, die ja auch so gut wie alle Hits für Suzi Quatro, Sweet, Mud, Smokie usw. geschrieben hatten, besorgten auch Racey den Einstieg ins Showgeschäft. Mickey Most besorgte als Produzent den Rest.


(Racey; Foto von Hel Rader)

Mamas & Papas -
wenn das kein Timing war. 1992 war ein Lied (Dream A Little Dream Of Me, 1968 in USA ein Hit unter dem Namen Mama Cass with The Mamas & Papas; Mama Cass sang parallel auch Solo) der Gruppe von einer Firma als Werbesong ausgesucht worden, und es wurde ein Hit, Platz 5 sogar. Wer die zwei Männer und Frauen also nicht aus der damaligen Zeit kannte, hörte sie jetzt täglich im Radio. Sie sangen über den nicht so geliebten Montag (Monday, Monday) wie auch über den amerikanischer Traum à la Kalifornien (California Dreaming) usw. John Phillips war hauptsächlich der Autor, Hauptsänger aber war Dennis Doherty, dazu kam die Frau von John und eben Mama Cass. Je zwei weibliche und zwei männliche Stimmen, dazu als perfekter Harmoniegesang, einfach ideal. Mama Cass war ja 1974 in London gestorben, John war schon sehr krank, so kam eine neue Mama, die aber in den USA sehr bekannt war - Elaine McFarlane war die Sängerin der Gruppe Spanky And Our Gang (größter Hit 1967 Platz 9 für „Sunday Will Never Be The Same“). Und als Ersatz für John kam ….

   

(Dennis Doherty & Scott Mc Kenzie; Foto von Hel Rader)


Scott McKenzie
- was will man mehr? John Phillips hatte ihm schon den Superhit „San Francisco“ geschrieben, USA Platz 4, England 4 Wochen Platz 1, dazu bei uns sogar 6 Wochen ganz oben. So etwas hatten wir noch nie in Bad Segeberg erlebt. Meine Ansage sorgte schon für Beifallsstürme wie selten, aber als Scott dann nach seinem Mitwirken als normaler „Papa“ sein Lied sang, wurde getobt wie noch nie. Und es kann noch besser. Die Rufe nach einer Wiederholung seines Lied war so stark, dass er tatsächlich „San Francisco“ noch einmal sang. So etwas hatte es dort noch nie gegeben, viele hatten Tränen in den Augen vor Glück.

Mungo Jerry
- Die Band war hauptsächlich Ray Dorset, daher darf man hier ruhig in der Einzahl sprechen. Ray war schon 1988 bei der ersten Oldie Nacht in Neumünster dabei gewesen. Dass er damals gut und auch entsprechend angekommen war, ist wohl verständlich. 1970 war sein größter Hit „In The Summertime“ 7 Wochen lang Platz 1 gewesen, dazu ein halbes Jahr in den Charts. Es gab für ihn zwar noch weitere Hits wie „Baby Jump“ und „Lady Rose“, aber so einen Sommerhit bekommt man nur einmal hin. Ray schrieb übrigens 1980 auch den Hit „Feels Like I’m In Love“ für Kelly Marie (Platz 5 bei uns). Er lebt seit langer Zeit schon in Deutschland, wo er auch mit einer Deutschen verheiratet ist.

Alvin Stardust
- Alvin hat ein paar Sätze mehr verdient. Richtig heißt er Bernard William Jewry. Schon 1961 und 1962 kam er auf zwei Hits, damals noch als Shane Fenton mit seinen The Fentones. „Moody Guy“ und „Cindy’s Birthday“ hießen die von George Martin produzierten Hits in England. Dann wurde es ganz still um ihn, wobei er weiter aber als Manager für Top Leute wie Lulu oder die Hollies arbeitete. 1973 war er wieder als Interpret da, mit neuem Aussehen, mit anderer Band und passender Musik. Sein neuer Name Alvin aber erinnerte an Elvis und an Gene (Vincent) - entsprechend war auch sein fast parodistisches Aussehen in schwarzem Leder, übergroßen Schuhabsätzen, riesiger Elvis-Perücke usw. (Bei manchen Songs aber sang er auch normal gekleidet). Sogar der Nachname klang sofort nach Künstlername. Es kamen fünf Hits am Stück (in Deutschland), die größten hießen „My Coo Ca Cho“ und „Jealous Mind“ (Platz 3 und 5). Dann war wieder Schluss. 1981 meldete er sich ein drittes Mal wieder zurück, jetzt hießen seine Remakes von Rock'n'Roll Klassikern „Pretend“ und „A Wonderful Time Up There“. Aber er konnte auch ganz anders, zusammen mit Mike Batt arbeitete er an einem gefühlvollen Song, einem Tribut - „I Feel Like Buddy Holly“. Alvin kam sehr gut beim Publikum an, weil er zeigte, dass er witzig war, dass er das Showgeschäft beherrschte, dass er noch immer perfekt singen und sich auf einer Bühne präsentieren konnte. Ich vergesse nie unser gemeinsames Frühstück, bei dem wir nur über Musik sprachen. Köstlich.


(Alvin Stardust; Foto von Hel Rader)

Gerry & The Pacemakers - Ja, was soll man da sagen? RSH spielte die wichtigsten Songs von Gerry zwar im Programm, aber dennoch mit Vorsicht. Das waren Lieder, die keinem weh taten, aber die meisten kannten sie nicht so gut. Gerry kam aus Liverpool, hatte in Deutschland nicht einen Hit, in England dagegen waren die Band Allgemeingut. Sie stellte sogar einen Rekord auf, der sehr lange hielt, ihre ersten drei Titel kamen 1963 auf der Insel auf Platz 1 - „How Do You Do It“, „I Like It“ und die spätere Fußballhymne „You’ll Never Walk Alone“. (Erst die Gruppe Frankie Goes To Hollywood stellte 20 Jahre später diesen Rekord ein). Gerry Marsden war in England der absolute Top Star, war ausgebucht wie kaum ein Zweiter, was auch heute noch zutrifft. So gesehen, kam er zwar gut in Segeberg an, jedoch nicht für seine Verhältnisse gesehen.


Für die Pausen hatten wir wieder die beiden netten Jungs vom letzten Jahr. Neil Landon und Lutz Wollersen sangen immer für das Publikum, während hinter ihnen umgebaut wurde für den nächsten Künstler.

Neil war früher bei Fat Matress, gegründet vom Jimi Hendrix Mitglied Noel Redding. Neil sang aber auch schon 1967 bei den Flower Pot Man (Let’s Go To San Francisco), auch bei uns mit Platz 23 ein kleiner Hit. Später wurde er Mitglied der Hamburger Band Rudolf Rock und die Schocker, wo auch Lutz eine zeitlang sang und spielte. Lutz war außerdem bei Kool Cad´ &The Tailfins, bei Alex Conti, Dirty Dogs usw., dazu sang er auch Solo-Platten ein. Sie hatten also genug Songs im Repertoire. Da sie sehr gut ankamen, nahmen wir sie öfter für die Oldie Nacht. Einmal sang ich auch mit ihnen. Das machte natürlich Spaß.

(Neil & Lutz; Foto von Hel Rader)


Auf Mallorca wurde dieser "Versuch" gestartet, die Oldie Nacht zu präsentieren:
Wenn man genau hinsieht merkt man, dass etwas nicht ganz stimmte...