RSH - Wie alles begann...
  14. NORA Oldie Nacht 2001
 

Oldie Nacht 2001     

(vom Samstag 19. Mai 2001, aus dem Kalkberg in Bad Segeberg)

Moderation: Helmut Radermacher
Fotos: Helmut Radermacher


Mit Anmerkungen von uns aller "Hel Rader"

Exakter Titel – Die Nora Nacht der Oldies & Evergreens.
Beginn 18:00, Einlass ca. 16:30

 

 

So allmählich wurde es immer schwieriger, bisher noch nicht gebrachte Künstler/Bands zu präsentieren. Die USA waren schon allein wegen der Flugkosten ein doch sehr großer Kostenfaktor, aber ein Act musste mal wieder sein. Und Nora spielte ja die Songs von Dr. Hook rauf und runter, und das zu Recht. Das waren schon absolute Ohrwürmer. Und die Band aus „Spanien“ hatten wir auch noch nicht gehabt, genauso wenig wie Tony Sheridan, aber der wohnte ja gleich um die Ecke.

Die Oldie-Nacht verkaufte sich immer schneller aus. Ein Beweis für die doch immer noch, und sogar noch wachsende, große Beliebtheit dieser Musik.


Pussycat – Die drei Damen aus Holland machten den Anfang, weil sie ohne eine Band zu Playbacks live sangen, das aber hervorragend. Die Stimme von Toni Willé, der jüngsten der drei Schwestern aus Limburg, wurde zur deren Erkennungszeichen. Und natürlich ihr Monsterhit „Mississippi“, allein fünf Wochen bei uns 1976 Platz 1 (die 1 gilt auch für England, dort blieben sie vier Wochen an der Spitze), dazu noch die weiteren Top Ten Hits „Georgie“ und „Smile“, alle noch im selben Jahr. Und noch heute treten sie auf. Für uns starteten sie damals ihr erstes Comeback.

 

Beatles 2000 – Diese Jungs kannten wir schon von unserer Veranstaltung auf der Kieler Woche. Die waren gut genug, um als Begleitband für Tony auftreten zu können. Und sowieso spielten sie ja dazu auch noch alle Beatles-Songs in gekonnter Manier. Auch optisch standen sie den Originalen aus Liverpool kaum nach.


 

Tony Sheridan – Als er auf die Bühne kam, brauchte er nur loslegen, seine Band für den heutigen Tag hatte schon für Stimmung gesorgt. Tony war schon in den 50er Jahren in England ein kleiner Star gewesen. Er trat solo auf, sogar im englischen TV (Oh Boy), war aber auch dank seiner musikalischen Fähigkeiten an der Gitarre ein sehr gefragter Musiker, wenn Leute aus USA wie Conway Twitty, Gene Vincent und Eddie Cochran nach England kamen, aber keine Band mitbrachten. Sologitarristen waren damals sehr selten; in Deutschland gab es anfangs so wie gut wie keine.

1961 gastierte Tony drei Monate lang als Sänger im Top Ten in Hamburg als Attraktion, dazu spielte eine Band mit dem Namen Beatles (damals noch ohne Ringo, aber noch mit Stuart Sutcliffe). Kurze Zeit später wurden sie von Bert Kaempfert „entdeckt“, nahmen die ersten Schallplatten auf, allerdings wurden die „Beatles“ umbenannt in „Beat Brothers“, was angeblich besser klang. Damals sah ich die Band zufällig; sie gefiel mir so gut, dass ich sie mir acht Tage lang täglich ansah, vom ersten bis zum letzten Lied. So kam es fast automatisch dazu, dass wir uns alle kennen lernten. Da mich Sänger immer am meisten faszinierten, kannte ich am Ende Tony am besten. Ich sah ihn zwei Jahre später erneut, da aber schon als Mann aus den Hitparaden (My Bonnie war 1961 ein Hit, Skinny Minnie sollte erst 1964 folgen) im Vorprogramm von Chubby Checker auf dessen Twist-Tour durch Europa.

Zu RSH-Zeiten trafen wir uns erneut. Da aber hatte er schon das Vorwort für eins meiner Elvis-Bücher geschrieben. Auch schrieb er mir öfter mal Karten von seinen Tourneen. Ab da besuchten wir uns sogar gegenseitig zu Hause. Auch war ich regelmäßig bei seinen Auftritten, besorgte ihm auch welche, sang auch immer mal mit ihm. Und wir waren zusammen mit Nora-Hörern bei den Reisen „auf den Spuren der Beatles“ jeweils drei Tage in Hamburg, London und Liverpool.

Pete Best als Schlagzeuger hatte mir gut gefallen, bei Stuart fällt mir ein, dass er eher als Freund von John Mitglied war, denn er konnte nicht (gut) spielen. Paul saß oft am Klavier, an dem er dann auch gerne seine Little Richard Rock'n'Roll-Songs sang. George war so schüchtern, dass ich mit ihm am wenigstens in Kontakt kam, da war mir John schon lieber, der mich sehr in seinen Bann zog. Er war es auch, den ich zuerst sah, er sang bei meinen ersten Besuch im Top Ten gerade „Sweet Little Sixteen“ von Chuck Berry. Und er interpretierte es besser als das Original.

Tony kam mit seiner Band für den heutigen Tag in Bad Segeberg nicht optimal zurecht, da hätten beide doch mal ordentlich proben sollen.

 


MUD 1991 kamen sie zum ersten Mal nach Bad Segeberg, jetzt also erst zum zweiten Mal. Die Band war noch eine gewaltige Nummer größer als Racey. Sie kam in Deutschland auf 15 Hits, fünf Mal erreichten sie die Top Ten, ihr größter Hit hieß „Oh Boy“, eine Cover-Version des Buddy Holly Titels. In England hatten sie auch 15 Hits, dafür aber dort zwei Nummer 1 Positionen, auch mit einer Nummer, die hier gar nicht in den Charts auftauchte. Nun klang die Stimme des Sängers Les Gray schon immer sehr nach Elvis, aber sein größter Hit, die Weihnachts-Single „Lonely This Christmas“ verblüffte alle, damals wie auch noch heute. Und auch hier waren Chinn und Chapman die Hauptlieferanten für fast alle Hits, als Autoren wie auch als Produzenten. Ich traf Mike 2010, um mit langen Gesprächen seinen Erfolg annähernd zu erforschen. Er kommt auf ca. 800 Millionen verkaufte Tonträger weltweit, an denen er beteiligt ist. Eine Zahl, die lediglich von Namen wie Elvis und Beatles übertroffen wird. Auch mit Les sprach ich damals länger, da er erfahren hatte, dass ich mich mit Musik und seinem Idol Elvis gut auskannte. Wir hatten eine prächtige Zeit. Nach seinem letzten Song schenkte Les mir einen Schal mit dem MUD Logo; erstarb 2004 an einem Herzinfarkt. Der Bassist Ray Stiles ging 1986, nach dem Ende von MUD, zu den Hollies, wo er heute noch spielt.

 

 

Los Bravos – Die Band aus Spanien. Gesucht werden von der Gruppe viele Singles, weil sie einfach gut sind. Dennoch, man kennt von ihr eigentlich lediglich „Black Is Black“, Rang 4 in Deutschland und USA, Platz 2 in England. Die anderen paar Hits liefen mehr unter „ferner liefen“. Doch ihre Geschichte ist köstlich. Der Sänger stammt aus Berlin und heißt Michael Kögel, hier hatte er als „Michael & The Firebirds“ eine Single aufgenommen, die ihn peinlich berührt sein ganzes Leben lang begleiten sollte – „Der Knüller Mausi Müller“. Als die Band, die auf der Bühne fast nur englische Titel sang, nach Spanien ging, wurde sie dort „entdeckt“ und durfte mit neuem Namen, erst als „Mike & The Runaways“, danach dann als „Los Bravos“, neue Platten aufnehmen. In Spanien nannte sich der Sänger fortan „Mike Kennedy“, so machte und macht er dort noch immer Platten, denn dort ist er bekannter als anderswo.

 

Sweet – Immer wieder begeisterten sie das Publikum in Bad Segeberg. Kein Wunder, kaum eine Band hatte in den 70er Jahren so viele und so große Hits, allein acht Mal gab es die Nummer 1. Komischerweise war Sänger Brian Connolly nach seinem Tod schnell vergessen. Der Name Andy Scotty (und der Band-Name Sweet) ist auch heute noch Zugkraft genug, um Erfolg zu haben.

 

Dr. Hook – Klar, das war der Top Act. Seit 20 Jahren war die Band nicht mehr in Deutschland aufgetreten. Seit 1968 schon gab es sie, 1972 kam dann, als Dr. Hook & The Medicine Show, mit „Sylvia’s Mother“ der erste große Hit, Platz 5 USA, bei uns Rang 9, England sogar die 2. Bei drei Top Ten Hits in diesen Ländern darf man von einem Welthit sprechen. (Ab 1975 nannten sie sich nur noch Dr. Hook). Und es sollte noch besser kommen – „When You’re In Love With A Beautiful Woman“ erreichte die Plätze 6 (USA), 8 (D) und die Nummer 1 in UK. „Sexy Eyes“ kam auf 5 (USA), 2 (D), 4 (UK). Der Name mit dem Doktor im Band-Namen entstand durch den Sänger Ray Sawyer, der wie ein Pirat eine Augenklappe trug. Dennoch, ihr Auftritt sollte als einziger der Geschichte meiner Oldie-Nächte als Flop bezeichnet werden. Die Jungs rauchten und tranken auf der Bühne, versuchten mehr zu erzählen als zu singen. Mit nur wenigen Lichtblicken an Musik konnten sie das Publikum kaum überzeugen, sehr schade. Davor ist man nie gefeit, man kann daraus auch nichts lernen, außer – sie nicht wieder einladen.

 

Racey – 1992 und 1996 waren sie schon mal bei uns gewesen. Ohrwürmer pur. In der Zeit 1979 - 1981 hatten sie sieben Hits in Deutschland, „Some Girls“ (geschrieben von Nicky Chinn und Mike Chapman) Platz 2, „“Boy Oh Boy“ Rang 3, damit drei Hits mehr als zu Hause in England. Kein Wunder, dass sie gerne bei uns auftraten. Zum brillanten Feuerwerk am Schluss sangen sie ihren letzten großen Hit aus dem Jahr 1980 – „Such A Night“.

 

Es gab zur Oldie-Nacht erneut eine Nora-CD zur Oldie-Nacht mit 18 Titeln und einem von mir verfassten Booklet. Auch der damals rare „Top Ten Twist“ von Sheridan war dabei, wie auch zwei Titel der Los Bravos, auch mit dabei das seltene „I Don’t Care“.


                                     Fotos folgen!!