RSH - Wie alles begann...
  Näher am Hörer
 
Im Sommer 1991 fand im Bereich "Regionalradio" bei RSH eine wahre Revolution statt. Was das im Einzelnen bedeutete und wie es überhaupt dazu kam, erzählt Hel Rader:

"Damals hatte Hermann Stümpert mal wieder eine Idee. Er wollte mit dem Sender regionaler werden, noch näher an die Hörer gelangen. Er ließ untersuchen, ob das technisch möglich sei, was dann auch zutraf.

Hermann teilte das Sendegebiet in vier Teile auf, jeder Teil sollte (vom Wort her) eine eigene Sendung am Morgen und teilweise auch in anderen Tageszeiten bekommen.
Um nun aber die identische Musik spielen zu können, musste jedes Lied viermal vorhanden sein. Ich wurde beauftragt, alle Songs, die damals im RSH-Tagesprogramm liefen, kostengünstig zu beschaffen. Das hieß, bekam ich einen Sampler (hier ist die Rede erstmals von nur CDs) mit mehreren Liedern darauf, die benötigt wurden, sollte ich ihn viermal kaufen. War das nicht möglich, sollte das Lied dann gebrannt werden. Ein Ausdruck, der uns alle damals noch sehr irritierte. Im Klartext, RSH wollte sich Geräte zulegen, das tatsächlich CDs herstellen konnte, so, wie wir sie benötigten. Damals eine Revolution.

Nach meinen Erinnerungen kostete diese Riesenmaschine ca. 25.000 DM, den Preis für die Rohlinge weiß ich nicht mehr. Dazu wurde aus meiner Abteilung eine Dame abgestellt, die plötzlich nichts mehr anderes tat, als brennen (!). Ich musste nur immer auch sehr schnell liefern, damit kein Leerlauf entstand. Nicht so einfach.
Die jeweilige CD dann in vierfacher Kopie zu erstellen, war das kleinste Problem. Teilweise musste der Kollege Deblitz aus der Technik auch spät abends noch ran, um die CDs fertig zu bekommen. Der Termin der Regionalisierung stand nämlich.

Dann wurden die Kollegen benannt; wir brauchten ja plötzlich mehr Personal.
Das sollte aber nicht neu eingestellt werden, nein, wir sollten das mit übernehmen. So kam es zu der grandiosen Idee, dass z.B. auch ich morgens ganz früh aufstehen musste, da ich ab - war es um fünf oder "erst" sechs Uhr live zu senden hatte.

Das hieß, vorher im Funkhaus den regionalen Zeitungsteil lesen, denn nur das kam bei mir vor. Für das andere Dreiviertel des Sendegebietes waren ja die anderen drei Kollegen/innen mit ihren regionalen Moderationen zuständig. Oh Mann, war das anstrengend und hektisch.

Im Detail lasen wir also unsere regionalen Erkenntnisse vor, hatten sogar die Möglichkeit, im Studio die Kollegen abzuhören.
Ich sendete aus Kiel aus dem Studio C, genau wie noch jemand (aus A), aber zwei weitere sendeten aus Studios in Hamburg und/oder Flensburg oder Heide/Lübeck? Ganz bekomme ich es nicht mehr zusammen.

Und nochmal ganz deutlich, wir von der Musikredaktion hatten plötzlich vier Sendepläne zu drucken, zwei davon wurden dann in die anderen Städte in die Studios gefaxt. Jeder Regionalmoderator spielte also die identische Musik, hatte aber logischerweise immer verschiedene Längen seiner Moderationen. Das musste dann jeweils zur halben und zur vollen Stunde angepasst werden. Da gab es doch etliche Pannen. Denn die Werbung musste ja zu einer festgelegten Zeit gestartet werden; sie kam damals noch aus Kiel von den Technikern. Alle vier Moderatoren bekam also über ihren Kopfhörer die Zeit genannt, wann ihr
letztes Lied vor halb und voll zu Ende zu sein hatte, oder eben aber auch rechtzeitig ausgeblendet sein musste. Das Chaos war vorprogrammiert. Da halfen auch keine theoretischen Lernstunden, von denen es doch eine ganze Reihe gab.
Autofahrer, die über größere Strecken unterwegs waren, riefen plötzlich ganz irritiert an, weil sie manchmal durch das automatische Umschalten des Radios ein Lied noch einmal hörten, so sehr konnte sich schon mal im Extremfall durch die verschiedenen Längen der Beiträge eine (halbe) Stunde zeigen.

Ich weiß nun nicht mehr, wie lange das Ganze gedauert hat, wann wir das wieder eingestellt haben.
Das führte auch dazu, dass ich am Mittag, ich glaube, es war von 13 bis 15 Uhr, auch noch täglich eine Ohrwurm Sendung hatte, also eine Wunschsendung, aber nur für Hamburg. Wir hatten herausgefunden, dass die sowieso schon sehr erfolgreiche Ohrwurm Sendung am Sonntag Morgen (die Sendung mit den meisten Hörern je bei RSH) in Hamburg selber sogar noch erfolgreicher war als anderswo."

Aus jener Zeit stammt auch dieses Schreiben:
(Der Name des Ansprechpartners bei MEDIA CONTROL wurde entfernt)